Durch eine Fusion war der Verein gezwungen einen komplett neuen Kader für die 2. Mannschaft stemmen zu müssen. Die Kaderplanung war also von Anfang an ein großes Thema. Ziel der Mannschaft sollte sein, jungen und entwicklungsfähigen Spielern eine Plattform zu bieten, wo sie sich ohne Stress entwickeln und für die 1. Mannschaft (Oberliga) anbieten können. Ergänzt werden sollte diese junge Truppe durch einige weniger erfahrene Spieler, die Lust darauf haben mit jungen Spielern zu arbeiten und als Vorbilder voranzugehen.

Eckdaten

Meiner Meinung nach ist uns das sehr gut geglückt:

  • Altersdurchschnitt: 22,45 Jahre
  • 12 Spieler sind unter 21
  • 3 Spieler sind unter 25
  • 4 Spieler sind älter als 29

Alle Spieler haben mindesten A-Jugend Mittelrheinliga gespielt oder mindestens Senioren-Bezirksliga (7. Liga).

Spielphilosophie

Die Spielphilosophie, die der Verein vorgibt, passte optimal zu meinen Vorstellungen:

  • kontrollierter Spielaufbau
  • aktiver Ballbesitz
  • aktives Verteidigen

Das ist natürlich sehr grob umfasst und lässt den Trainern Handlungsspielraum für eigene Interpretationen, allerdings ist das Wort „aktiv“ hier entscheidend:

Wie kann ich meinen Ballbesitz aktiv und den Gegner fordernd gestalten?

Wie kann ich aktiv verteidigen und den Gegner zu Fehlern zwingen, anstatt auf sie zu warten?

Spielerprofile

Diese Fragestellungen ergaben für mich folgendes Profil der Spieler:

  • gute bis sehr gute Grundschnelligkeit
  • Kombinationsfreudig
  • gute bis sehr gute Basistechniken (Pass, Ballan- und mitnahme, Vororientierung…)
  • gute taktische Ausbildung (Positionsspezifisch)

Unabhängig von der Spielidee und dem fussballerischen Können waren mir auch die „Softskills“ der Spieler sehr wichtig:

  • Teamplayer
  • offener Typ
  • kritikfähig / selbstkritisch
  • verlässlich
  • fussballverrückt (absolut entscheiden)

Was kann ich anbieten?

Mach dir vor deinem ersten Treffen eine Übersicht mit Dingen, die du dem potentiellen Neuzugang anbieten kannst. Da sind ausdrücklich finanzielle Anreize außen vor!! Viel mehr sind folgende Dinge gemeint:

  • qualitativ hochwertiges Training
  • Entwicklungspotential aufzeigen
  • Rahmenbedingungen im Verein (zB. Essen nach dem Spiel, Mannschaftstour etc.)
  • Platz (Kunstrasen, oder toller Naturrasen)
  • Ausrüstung (Trainingsanzug, Schuhe, etc…)

Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du dich intensiv mit deinen Neuzugängen beschäftigen. Geh sie dir in einem Spiel ansehen, sprich mit seinen Trainern und Mitspielern. Hol dir so viel Input wie es geht und versuche darauf basierend einen Entwicklungsweg aufzuzeichnen, den du dann dem Spieler präsentieren kannst. Das halte ich immer noch für das beste Argument um einen Spieler von deiner Arbeit zu überzeugen: Kompetenz ausstrahlen.

Kontakt herstellen

Erstelle dir eine Liste mit Spielern für die einzelnen Positionen, die für dich diese Eigenschaften erfüllen und setze Prioritäten. Höre dich auch bei anderen Trainern um, wen sie dir empfehlen würden.

Den Kontakt habe ich meistens über andere Kontakte (Spieler, Trainer, Freunde…) herstellen können. Irgendwo bekommt man immer die Nummer her 😉

Die Nummer sollte allerdings nur dazu dienen, ein Treffen auszumachen. Schau dir jeden Spieler in einem persönlichen Gespräch an! Verlass dich nicht auf andere Meinung, egal wie vertrauensvoll dein Verhältnis zu diesem Kontakt ist. Jeder hat eine andere Sicht und Einschätzung und am Ende bist du es, der in diesen Spieler sehr viel Zeit und Arbeit investieren wird!

Ich habe mich im Zuge der Kaderplanung in einem Zeitraum von ca. 6 Wochen mit ungefähr 30 Spielern persönlich getroffen. Bei manchen hat es direkt „Klick“ gemacht, es gab aber genauso Fälle, wo ich direkt wusste, dass es nicht passen wird. Verlasse dich dabei immer auf dein Bauchgefühl!

Sei von vornherein ehrlich

Ich habe in jedem Gespräch direkt gesagt, dass es Situationen geben wird, wo der Spieler vielleicht nicht mal im Kader stehen wird. Spieler, die aus dem Kader der 1. Mannschaft fallen, werden bei uns eingesetzt und nehmen somit Plätze weg.

Dazu solltest du definitiv auch jedem klar machen, wie du dir das Training vorstellst und wie wichtig die Trainingsleistung sein wird. Zugeständnisse an Spieler die beruflich eingeschränkt oder privat überlastet sind, sollten sehr gut überlegt sein!

Von Spielern die nur unter bestimmten Voraussetzungen (Stammplatzgarantien, finanzielle Entschädigung, oder auch Trikotnummer…) kommen wollen, solltest du meiner Meinung nach Abstand nehmen. Das sind nicht die Spieler, die am Ende der Saison noch die Kohlen aus dem Feuer holen.

Wenn du direkt von vornherein mit offenen Karten spielst, sparst du dir hinterher ermüdende Erklärungen und schaffst direkt von Beginn an ein vertrauensvolles Verhältnis. Selbst wenn es nicht zur Einigung kommt, hast du so auch eine gute Basis um evtl. ein anderes Mal auf diesen Spieler zurückzukommen. Man sieht sich immer zweimal 😉

 

Welche Erfahrungen hast du in der Kaderplanung gemacht und wie gehst du vor? Wäre cool von dir zu hören!

 

 


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